Vera Tollmann

About

Vera Tollmann (1976) is a cultural scientist and freelance writer based in Berlin. Her work focuses on the practice and theory of the Internet, urban and digital publics, the discourse of climate change, and China’s reception in the West. She was a fellow at the Alfred Toepfer Foundation and has worked with New Patrons, a program using a new approach to organize and fund public art. Vera collaborated with the Institute for Network Cultures on the Video Vortex conference series held in Amsterdam, Ankara and Split. In 2009, Tollman undertook a research trip to China. Her program Case Study China was exhibited at House of World Cultures, Berlin, in 2009 and later at 4D in 2011. Her most recent publication, China: Der deutschen Presse Märchenland is a text montage of Ai Weiwei press coverage. Vera lives in a greenhouse mounted on top of an apartment building in Berlin.

Vera Tollmann (1976) ist Kulturwissenschaftlerin und lebt als freie Autorin in Berlin. Sie studierte Angewandte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim und Cultural Studies an der John Moores University in Liverpool. In ihrer Diplomarbeit Der Diskurs der Netzwerke untersuchte sie kulturspezifische Mailinglisten als widerständige Praxis. Heute liest sich der Text fast wie eine Erzählung aus der Antike – das Internet hat sich schnell verändert. Seit mehr als zehn Jahren begleitet sie nun schon publizistisch Formen kritischer Öffentlichkeit im Internet.
Von 1999 bis 2002 arbeitete sie als Redaktionsassistenz für das in Wien erscheinende Kunstmagazin Springerin – Hefte für Gegenwartskunst. Danach wurde sie Redakteurin für das Magazin und die Website der gerade neu gegründeten Kulturstiftung des Bundes in Halle. In der Zeit von 2004 bis 2006 war sie kuratorische Assistenz beim Medienkunstfestival transmediale in Berlin. Währenddessen entstand unter anderem die Sonderausstellung Smile Machines von der Pariser Kunsthistorikerin Anne-Marie Duguet. Den Katalog zur Ausstellung hat sie mitherausgegeben.
Seit 2006 entstehen unabhängige Ausstellungsprojekte sowie Video-Screenings in Berlin und im europäischen Kunstkontext, dazu gehören unter anderem die Gruppenausstellungen Hands-on history und Your latest trick im Ausstellungsraum JET in Berlin, Comprehensive offerings in der Kunsthalle Exnergasse in Wien (zusammen mit Sophie Goltz), und Katastrophenalarm in der NGBK in Berlin (zusammen mit Sophie Goltz, Christine Heidemann und Anne Kersten). In beiden Ausstellungen wurde aus jeweils unterschiedlicher Perspektive der Versuch unternommen, die mediale Inszenierung des Klimawandels und die Rhetorik der Nachhaltigkeit kritisch zu hinterfragen. Diese Thematik führte Vera Tollmann in zwei Veranstaltungen fort. 2009 konzipierte sie die Paneldiskussion I saw disaster zur Repräsentation des Themas in Youtube-Clips im Rahmen der transmediale.09 Deep North (Thema Klimawandel). Auf Youtube hatte sich ein eigenes Genre etabliert: nature snuff. Die zweite Veranstaltung Über allen strahlt die Sonne fand in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung statt und beschäftigte sich mit Lesarten des Klimawandels.
2008 war Vera Tollmann Mitherausgeberin der Zeitung Was Du wissen solltest (Die Zukunft), die im Rahmen des Festivals Theater der Welt 2008 entstand, und in der die bis dahin weitgehend unbekannte militärische Nutzung des zivilen Flughafens Leipzig Halle thematisiert wird. Die deutsche Presse griff daraufhin die Problematik auf.
Weitere Kooperationen gab es unter anderem mit dem Amsterdamer Institute for Network Cultures anlässlich der wandernden Konferenzreihe VideoVortex. Artistic responses to Youtube (Amsterdam, Ankara, Split), dem Badischen Kunstverein Karlsruhe, der Jan van Eyck Akademie in Maastricht, der Kestner Gesellschaft in Hannover, der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin und der Videonale in Bonn. In diesen Kontexten entstanden Video-Screenings, Workshops oder Vorträge, die sich mit der neuen Videokultur im Internet auseinandersetzten. Dabei bestimmten vor allem die veränderten technologischen Produktions- und Distributionsbedingungen durch Plattformen wie Youtube die inhaltliche Ausrichtung.
Im Winter 2008-09 unternahm Vera Tollmann eine vom Goethe-Institut geförderte Recherchereise für Kuratoren nach China. Das aus dem Aufenthalt entwickelte Screening-Programm Case Study China wurde im Oktober 2009 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin gezeigt. Die räumlich installierten Videoarbeiten von europäischen und chinesischen Künstlern thematisierten die sozialen und ökonomischen Veränderungen in chinesischen Großstädten mit jeweils kulturspezifischen Referenzen. Das Format Case Study China ist als Serie angelegt und wird 2011 und 2012 fortgesetzt, denn ihr Gegenstand – die chinesische Realität und das Verhältnis des Westens zu China – wächst und verändert sich kontinuierlich und kann deswegen in regelmäßigen Abständen besprochen werden.
Zusammen mit Kito Nedo und Dominikus Müller kuratierte sie 2011 den Videokunst-Channel Clipradio im Rahmen des Internetprojekts ARTE Creative. Inhaltlich konzentrierte sich der Channel auf diejenigen Videoarbeiten, die sich mit den Bedingungen und Techniken heutiger Bildproduktion und -distribution auseinandersetzen.
Von 2008 bis 2010 hatte Vera Tollmann ein Fellowship der Hamburger Alfred Toepfer Stiftung. In diesem Rahmen leitete sie das Berliner Büro des Kunstauftragsprogramms Neue Auftraggeber. Dort werden die traditionellen Auftragsverhältnisse in der Kunst umgekehrt und konkrete zivilgesellschaftliche Anliegen zum Anlass für Kunstproduktion. Das Projekt begleitet sie über die Zeit des Fellowships hinaus weiter.
Unter anderem um die Diskussion des Modells Neue Auftraggeber ging es bei einem Seminar und einem mehrtägigen Workshop, den sie im Oktober 2010 und im März 2011 im Rahmen des Goethe-Institut-Projekts RAUM für RAUM in Taschkent, Usbekistan, leitete. Vor allem galt es, die Anwendbarkeit der Erfahrungen mit Kunst im öffentlichen Raum im westlichen Kontext für den lokalen Kontext in Taschkent zu diskutieren. Inhalticher Schwerpunkt des zweiten Teils war die Konzeption einer Ausstellung im öffentlichen Raum von Taschkent.
Ebenfalls auf Einladung des Goethe-Instituts nahm sie im Januar 2011 an dem Seminar Where do we go from here? teil, das vom ZOMA Contemporary Art Center in Addis Abeba zum Thema Kunst und Nachhaltigkeit veranstaltet wurde.
2012/13 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Moving Image Lab der Leuphana Universität Lüneburg und co-kuratierte die dreitägige Konferenz Video Vortex #9. Re:assemblies of Video (mit Götz Bachmann, Timon Beyes, Oliver Lerone Schultz).
Vera Tollmann ist Mit-Herausgeberin einiger Publikationen und Autorin verschiedener Beiträge für Kataloge und Zeitschriften wie Springerin, Kunstforum International, De:Bug, goethe.de/klima, Spector cut+paste und Starship. Zu ihren aktuellen Arbeitsschwerpunkten gehören die Praxis und Theorie des Internet, der Diskurs des Klimawandels und die westliche Rezeption von China. Aktuell findet die inhaltliche Auseinandersetzung mit Formen urbaner und digitaler Öffentlichkeiten wie technologischer Medialität vor allem in Texten ihren Ausdruck.